€24.00
Product information "Diethard Behrens (Hg.): Politik und soziale Praxis"
Diethard Behrens Politik und soziale Praxis
1997, 240 Seiten, ISBN: 978-3-924627-44-7 2. unver. Nachdruck 2021 24,00 €
Die Diskussionen der »neuen sozialen Bewegungen« und ihrer Partei, der »Grünen«, drehten sich nicht allein um die Ökologie im engeren Sinne, sondern auch um das Verhältnis von Demokratie und Politik. Inwieweit es tatsächlich gelang, Konzepte einer grundlegenden Erneuerung zu entwickeln und welchen Wandel dabei die Vorstellungen von Staat und Gesellschaft, von Demokratie und sozialer Mitbestimmung erfahren haben, wird in diesem Buch kritisch reflektiert. Auschlaggebend dabei ist der Blick auf die soziale Praxis einerseits, die Geschichte der Theorie andrerseits.
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Alex Gruber, Philipp Lenhard (Hg.): Gegenaufklärung - Der postmoderne Beitrag zur Barbarisierung der Gesellschaft, ISBN 978-3-86259-101-5 Die postmoderne Philosophie ist nichts anderes als “das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie” (Adorno). Weil der radikale Bruch mit dem Denken, das zu Auschwitz führte, ausblieb, weil vielmehr bereits in den sechziger Jahren gerade von links in vermeintlich tabubrecherischer Weise versucht wurde, die nationalsozialistische Philosophie für scheinbar “emanzipatorische” Projekte nutzbar zu machen, erscheint die deutsche Ideologie heute als links und progressiv. Diese neueste deutsche Ideologie ist nicht nur eine philosophische Strömung, sondern Ausdruck einer gesellschaftlichen Tendenz. Die postmoderne Übung, jede allgemeine Begriffsbestimmung als “logozentrisch” und jede Betrachtung der Gesellschaft unter Vernunftkriterien als totalitär zu denunzieren, ist sowohl Reflex der objektiven Unbrauchbarkeit der Welt unter den Verhältnissen spätkapitalistischer Vergesellschaftung als auch der Versuch einer Sinnstiftung ebendieser Verhältnisse. In seinem Kult der Unmittelbarkeit schließlich sucht der Poststrukturalismus den Schulterschluß mit dem radikalen Islam und verrät jede Idee von Versöhnung. Mit Beiträgen von Manfred Dahlmann, Martin Dornis, Alex Gruber, Birte Hewera, Tjark Kunstreich, Philipp Lenhard, Niklaas Machunsky, Florian Ruttner und Gerhard Scheit. Inhalt Alex Gruber/Philipp Lenhard: “Deutsche Ideologie”: Von Stirner zum PoststrukturalismusEinleitung zum vorliegenden Sammelband Tjark Kunstreich: Dem dunklen Gott geopfertLacans Erledigung des Selbstwiderspruchs des Subjekts Gerhard Scheit: Altern der Musik, Verjüngung des StrukturalismusÜber die Vorgeschichte der Postmoderne Birte Hewera: “Das System ist alles. Der Mensch ist nichts. Die Wirklichkeit ist - wenig“. Jean Améry und der Strukturalismus. Florian Ruttner: Der Mythos des RadikalenDer Verrat an der Aufklärung bei Georges Sorel, Georges Bataille und Michel Foucault Martin Dornis: Der Meister aus DeutschlandZur Kritik der Ideologie des Todes Alex Gruber: Dekonstruktion und RegressionDer Poststrukturalismus als Masseverwalter von Carl Schmitt und Martin Heidegger Philipp Lenhard: Negativer UniversalismusGiorgio Agamben, Étienne Balibar und der Zusammenhang von Antirassismus und Israelhass Niklaas Machunsky: Politik gegen das Politische, Arbeiter gegen IsraelAlain Badiou und der Universalismus Manfred Dahlmann: Biedermann und ÜbermenschPeter Sloterdijks deutsche Ideologie Philipp Lenhard: Sein zum TodeHeidegger, Qutb und die Aktualität der deutschen Ideologie Literaturverzeichnis
Der dritte Band der Werkausgabe Alfred Sohn-Rethels, mit denen die Schriften abgeschlossen werden, enthält die sogenannten Exposés: angefangen mit dem auf Capri entstandenen frühen Positano-Exposé von 1926 bis hin zum ersten englischunter en Entwurf von Intellectual and Manual Labour von 1951. In der ihm eigenen Textgattung des Exposés ringt Sohn-Rethel um einen kritischen Standpunkt in Philosophie und Gesellschaftstheorie. Anders als etwa bei seinen temporären Weggefährten des Frankfurter Instituts für Sozialforschung stehen bei ihm Naturwissenschaft und Ökonomie als wesentliche Bestandteile der industriellen Moderne im Vordergrund seiner kritischen Untersuchungen. In seinen Bemühungen reagiert Sohn-Rethel auf wichtige intellektuelle und politische Strömungen und Ereignisse seiner Zeit: Neukantianismus und Neopositivismus in der Philosophie, die Ausbildung der Grenznutzenschule, die sozialistische Planungsdebatte und die Formalismus-Substantivismus-Debatte in der Wirtschaftswissenschaft, auf der politischen Ebene endlich die »objektive Möglichkeit« des Sozialismus sowie die sich stattdessen einstellende Wirklichkeit des Nazifaschismus. Die zu großen Teilen hier erstmals veröffentlichten Exposés ergänzen zwar die teils zu Lebzeiten veröffentlichten Schriften Sohn-Rethels, zeichnen aber nicht nur die bloße Vorgeschichte der späteren Veröffentlichungen nach, mit denen der Autor bekannt geworden ist, sondern zeigen ebenso ein ganz anderes Anliegen: Sohn-Rethels Versuch – auf dem Höhepunkt des eigenen Schaffens, aber unter den äußerst widrigen Umständen von Flucht und Exil – die Fäden seines Denkens in einer Synthese von kritischer Erkenntnistheorie, Ökonomiekritik und politischer Faschismustheorie zusammenzuführen. In diesem Licht erscheinen die späteren Bücher als Bruchstücke eines sehr viel umfangreicheren Projekts, dem die Zeit nicht gewogen war Viten Alfred Sohn-Rethel, geboren 1899 in Neuilly-sur-Seine und 1990 in Bremen gestorben, war Nationalökonom und Sozialphilosoph. Er studierte in Heidelberg und Berlin und promovierte 1928 bei Emil Lederer. Er stand in engem Austausch mit Walter Benjamin, Ernst Bloch und Theodor W. Adorno. Von 1931 bis 1936 arbeitete er beim Mitteleuropäischen Wirtschaftstag, wo er die NS-Ökonomie analysierte. 1936 ging er ins Exil. Sein Hauptwerk Geistige und körperliche Arbeit erschien 1970; seine Gesammelten Schriften erscheinen seit 2012 bei ça ira. Daniel Burnfin ist Gastdozent für Philosophie an der University of the South. Bevor er nach Sewanee kam, war er Lehrbeauftragter für Geisteswissenschaften und Dozent für Germanistik und am College der University of Chicago tätig, wo er 2022 seinen Doktortitel in Philosophie und Germanistik erwarb. Seine Arbeit befasst sich mit klassischer politischer Ökonomie, politischem Realismus sowie Hegel, Marx, Keynes und Sohn-Rethel. Carl Freytag lebt in Deutschland und Griechenland, ist Mitherausgeber der Schriften Sohn-Rethels, Herausgeber seiner Erzählungen und hat sich in Essays und Radiosendungen mit Sohn-Rethels Leben und Werk auseinandergesetzt. In seiner Monografie Deutschlands Drang nach Südosten beleuchtet Carl Freytag Sohn-Rethels Rolle in den Jahren 1931 bis 1936 im Umkreis des Mitteleuropäischen Wirtschaftstages (MWT). Außerdem ist er der Biograph von Tilo von Wilmowsky, dem Gründer des MWT. Agnès Grivaux ist Philosophin und Maître de conférences für deutsche Philosophie an der Universität Nantes. Sie ist Absolventin der École normale supérieure, Agrégée de philosophie und promovierte 2018 bei Marc Crépon, Axel Honneth und Gérard Raulet mit einer Arbeit über Raison, délire et critique: Psychanalyse et critique de la raison chez Adorno et Horkheimer (Vernunft, Wahn und Kritik: Psychoanalyse und Vernunftkritik bei Adorno und Horkheimer). Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der kritischen Theorie. Oliver Schlaudt ist Philosoph und Autor. Er studierte Physik und Philosophie an der Universität Heidelberg, wo er auch promovierte und sich habilitierte. Er hatte Gast- und Vertretungsprofessuren in Paris und Freiburg inne und war Gastforscher in einer archäologischen Forschungsgruppe der Universität Tübingen. Seit 2022 ist er im Rahmen des Heisenberg-Programms der DFG Professor für Philosophie und Politische Ökonomie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz. Inhalt Einleitung der Herausgeber Positano 1926 Kommentar zum Positano Exposee von 1926 Exposé zum theoretischen Kommentar der Marxschen Gesellschaftslehre (»Positano Exposé«, 1926) Luzern 1936 Exposé zum Plan einer Soziologischen Theorie der Erkenntnis (»Luzerner Exposé«, 1936) Dokumente zum Luzerner Exposé Nachwort zu Soziologische Theorie der Erkenntnis (1984) »Die Absicht der ganzen Arbeit« (beiliegendes Résumé) Brief an Walter Benjamin, 12. August 1936 Brief an Max Horkheimer, 14. Oktober 1936 Paris 1936–1937 Exposé zur Theorie der funktionalen Vergesellschaftung (»Nottinghamer Brief« an Theodor W. Adorno, 4./12. November 1936) Dokumente zum Pariser Exposé Zum Gespräch mit Walter Benjamin am 22. Dezember 1936 im Café Versailles Brief an Max Horkheimer, 27. April 1937 Zur kritischen Liquidierung des Apriorismus. Eine materialistische Untersuchung (»Pariser Exposé«, 1937) Einordnung im Rückblick Nachwort zu »Zur kritischen Liquidierung des Apriorismus« (1970) Alfred Sohn-Rethel, Stefan Breuer, Bodo von Greiff: Differenzen im Paradigmakern der Kritischen Theorie, Teil II (1986) Geld und Philosophie. Helmut Höge im Gespräch mit Alfred Sohn-Rethel (1986) London 1938–1940 Brief an Günther Busch, 28. Februar 1980 Kritische Liquidierung des philosophischen Idealismus (1940) Birmingham 1941–1951 Warenform und Denkform auf Grund der Marxschen Theorie (1941) Systematic Foundation of Historical Materialism. Critique of Philosophical Epistemology (1943) »The Seven Chapters« »The Nineteen Chapters« Späterer handschriftlicher Kommentar Intellectual and Manual Labour. Critique of Idealistic Epistemology (1951) Dokumente zum Kontext The guiding idea of my research Korrespondenz mit Paul Sweezy (1971) Miszellaneen und Nachträge Zur Geschichte und Theorie des Faschismus – Nachträge zu Band II Das deutsch-ägyptische Zwiebelgeschäft (1935) Keine Ausdehnung nach Osten? (1936) The economic definition of fascism Gespräch über den Faschismus Ökonomische Analysen aus den 1970er Jahren Kurze synoptische Skizzierung des uns betreffenden Geschichtsprozesses Die ökonomische Zwiespältigkeit der Übergangsgesellschaft Die ökonomische Zwiespältigkeit der Übergangsgesellschaft. Zur Kritik der bürgerlichen Betriebswissenschaft Automatic Production and the Division of Head and Hand The Logic of Production Against the Logic of Appropriation and Exploitation (Version I) The Logic of Production Against the Logic of Appropriation and Exploitation (Version II) Zur gesellschaftlichen Theorie der Naturwissenschaften Eine gesellschaftliche Theorie der wissenschaftlichen Naturerkenntnis A Social Theory of Science The Rise of Modern Science: Labour and Abstractions Miszellaneen Rezension von Graf Paul Yorck von Wartenburg: Italienisches Reisetagebuch, 1927, und Wladimir von Hartlieb: Italien, alte und neue Werte, 1927 Gerd Bergfleth on ›Geistige und körperliche Arbeit‹ Thesen-Paper zum Thema Erkenntnis- und Gesellschaftstheorie Alfred Sohn-Rethel für Thomas Leithäuser Einleitung (zu einem unbekannten Buchprojekt) Tagung in Cosenza (1977) Commodity form and the conceptualization of scientific categories Unveröffentlichtes Interview mit L’Espresso (1977) Gastvortrag in Milano (1982) Per una teoria sociale delle scienze naturali. Themenvorschlag Geschichtsmaterialismus und Naturwissenschaft Nachweise und editorische Anmerkungen Personenverzeichnis Rezensionen Bruno Latour: Wer hat das Sagen? Kant in den Fängen von Marx. Rezension der französischen Übersetzung von Das Geld, die bare Münze des Apriori von Françoise Willmann (La Tempte, 2017). In: Le Monde des livres vom 1. Februar 2018
Alfred Sohn-RethelVon der Analytik des Wirtschaftens zur Theorie der VolkswirtschaftFrühe SchriftenHerausgegeben von Oliver Schlaudt und Carl FreytagMit weiteren unveröffentlichten Dokumenten sowie einem biographischen Essay von Carl FreytagSommer 2012, 294 Seiten, 20 €, ISBN: 978-3-86259-109-1lieferbar Aber hier steht uns das Hemmnis einer objektiven Schranke durch die Form der bürgerlichen Existenz entgegen. Denn deren unabstreifbare Form ist Individualismus, wie sehr ihm das Problem dieser Welt auch widerstreite. An diesen Individualismus sind wir gekettet, er bleibt trotz aller theoretischen Überwindung die Form unsres Daseins, unsres Studiums und der Problematik unsrer Bildung. Hier liegt für Viele das Unglück. Denn wir können hiermit nur fertig werden, wenn wir diesen Individualismus im Gegensatz zu unsrem Sollen, zu unsrem Menschsein halten. Er ist die Schlacke, nicht das Ethos, die Täuschung, nicht die Wahrheit unsres menschlichen Seins. Alfred Sohn-Rethel (1930) Dieser Band versammelt erstmals Alfred Sohn-Rethels frühe theoretischen Schriften. Im Zentrum steht die Heidelberger Dissertation von 1928, vermehrt um bisher unveröffentlichte Dokumente, die ihre Entstehung im Zusammenhang seiner Arbeiten während der 1920er Jahre in Positano, Heidelberg und Davos nachzeichnen. Die Publikation verfolgt ein doppeltes Interesse: Zum einen verhilft sie zu einem besseren Verständnis des Sohn-Rethelschen Gesamtwerks, dessen rote Fäden – Marxismus, Wissenssoziologie und Neukantianismus – hier schon angelegt sind und die später, auch im Kontext seiner Faschismusanalyse, zur Explikation der Dialektik von Warenform und Denkform führen werden. Zum anderen hat vor allem die Dissertation auch nach achtzig Jahren einen eigenständigen Wert, denn sie entwickelt eine systematische Kritik der gängigen Volkswirtschaftslehre. InhaltEinleitung der Herausgeber Von der ‘Burg der Philosophie’ in die Welt der Waren. Alfred Sohn-Rethel in HeidelbergCarl Freytag Zur Edition der frühen theoretischen Schriften Alfred Sohn-RethelsOliver Schlaudt Frühe Schriften Von der Analytik des Wirtschaftens zur Theorie der Volkswirtschaft (1928/1936) VorwortDer Regreß auf die Analytik des Wirtschaftens und ihre Übertragung auf die VolkswirtschaftKritik der Übertragungsmethode am Beispiel der Theorie SchumpetersDie naturwissenschaftliche Methode in der Ökonomie und ihre ÜberwindungUmrisse zur gegenstandskonstitutiven Methode der theoretischen ÖkonomieZur Problematik der akademischen Jugend (1930) Dokumente Vorarbeiten zur Dissertation Kommentar zum ‘Exposé zum theoretischen Kommentar der Marxschen Gesellschaftslehre’ von 1926 (1976) Grundlegung der theoretischen Oekonomie als strenger Wissenschaft durch die Beantwortung der Frage, wie überhaupt Gesellschaft möglich sei (1927) Promotionsakte Gutachten von Emil Lederer (1928)Lebenslauf Sohn-Rethels (1928)Der Heidelberger Diskussionszusammenhang Vorfrage: Wozu suchen wir nach einer Ontologie? Und: Was soll die Ontologie leisten? (1928)Protokolle der vereinigten Seminare von Prof. Weber und Dr. Mannheim (1929)Spätere Kommentare zur Dissertation Auszug aus einem Schreiben an Günther Busch (1977)Nachwort zur Dissertation (1977)Gespräch über ‘die Genese der Ideen von Warenform und Denkform’ (1978)Weiterführung der Dissertation Zur Kritik der subjektivistischen Ökonomie (1928)Brief an Adolf Löwe (1931)
Arbeitskreis Kritik des deutschen Antisemitismus Antisemitismus – die deutsche Normalität Geschichte und Wirkungsweise des Vernichtungswahns 2001, 296 Seiten, ISBN: 978-3-924627-69-0 26,00 €
Binjamin Segel Die Protokolle der Weisen von Zion kritisch beleuchtet Eine Erledigung (1924) Herausgegeben und kommentiert von Franziska Krah Dezember 2017, 520 Seiten, 29 €, ISBN: 978-3-86259-123-7 “Ich habe in der Legende der Weisen von Zion nie etwas anderes sehen können als eine phantastische Ausgeburt maniakalischen Judenhasses, auf den ich mich so wenig verstehe, daß er mich gar nicht berührt, und daß ich wenig geneigt bin, mich überhaupt mit ihm zu beschäftigen. Ihr Buch zeigt mir, welch ein Aufwand von wissenschaftlicher Energie und Akribie sich immerhin empfahl, als es galt, dieser Legende endgültig den Garaus zu machen.” Diese Zeilen richtete Thomas Mann im November 1926 an Binjamin Segel, nachdem er dessen Veröffentlichung “Die Protokolle der Weisen von Zion kritisch beleuchtet” mit dem optimistischen Untertitel “Eine Erledigung” gelesen hatte. Beinahe drei Jahre arbeitete der jüdisch-galizische Journalist Segel (1866-1931) an der Entlarvung des weltweit bekanntesten Verschwörungsphantasmas. Mit seiner Aufklärungsschrift von 1924 gehörte er zu den Vorreitern einer Kritik des antisemitischen Pamphlets, während die Mehrheit der Intellektuellen eine nähere Auseinandersetzung mit der unrühmlichen Thematik vermied. Segel lieferte mit seiner Abhandlung schließlich nicht nur einen Überblick über die Entstehungs- und Verbreitungsgeschichte der Protokolle, sondern konnte darin auch nachweisen, aus welchen Texten sich die Urheber des Pamphlets bedienten, um den Plan einer vermeintlichen jüdischen Weltverschwörung zu entwerfen. Mit der Neuauflage von Segels Pionierschrift soll das zeitgenössisch bedeutende Dokument erneut gewürdigt werden, auch wenn mit ihm nicht der von Thomas Mann erhoffte Garaus des Pamphlets erzielt werden konnte. Denn nach wie vor ist die Beliebtheit der Protokolle unter Antisemiten – insbesondere in islamischen Ländern und Rußland – ungebrochen. Inhalt: Franziska Krah Die Bibel der Antisemiten. Geschichte und Gegenwart der Protokolle der Weisen von Zion Editorische Notiz Binjamin SegelDie Protokolle der Weisen von Zion kritisch beleuchtet. Eine Erledigung von Binjamin Segel Einleitung 1. Der erste Eindruck der Protokolle 2. Wie die Protokolle ans Licht kamen 3. Das Weltreich der Juden und der Zionismus 4. Juden und Freimaurer 5. Sprache und Herkunft der Protokolle 6. Zion und die Zionisten 7. Die Protokolle als Dokumente unserer Zeit 8. Kritische Analyse der Protokolle 9. Das Plagiat und seine Urschrift 10. Ein Blick in die Werkstatt der Diebe und Fälscher 11. Das prophetische Element in den Protokollen 12. Die Beweise für die Echtheit der Protokolle 13. Die Eideshelfer des heiligen Nilus 14. Die religions- und geschichtsphilosophische Grundlage der Protokolle (Nilus als Denker) 15. Entstehungs- und Abfassungszeit der Protokolle 16. Zur Psychopathologie des Antisemitismus Franziska KrahSchreiben als Leidenschaft. Über den Journalisten und Antisemitismuskritiker Binjamin W. Segel Bibliographie von Segels Schriften Personenverzeichnis
Die Theoretikerin Rosa Luxemburg ist zu einer Art schlechtem Gewissen sowohl der Sozialdemokratie wie des Parteikommunismus verharmlost worden. Verloren ging, daß ihre Schrift zur Kritik der Russischen Revolution von 1917 zugleich das Gründungsmanifest einer neuen Strömung radikaler Arbeiterbewegung wurde, der Rätekommunisten. Insbesondere der holländische Marxist Anton Pannekoek (1873 - 1960), dessen intellektuelle Biographie Cajo Brendel hiermit vorlegt, arbeitete auf den Gebieten der Erkenntnistheorie, der Politischen Ökonomie sowie der Theorie der Arbeiterräte den Gehalt dieser neuen, sowohl antileninistischen wie antireformistischen Orientierung heraus, die auf den Kommunismus zielt nicht als auf eine Staatsveranstaltung, sondern als die freie Assoziation der Produzenten. - Cajo Brendels Buch, das zuerst 1970 auf Holländisch erschien, wurde vom Autor selbst ins Deutsche übertragen und neu bearbeitet; es zeigt auch die Aktualität der Pannekoekschen Kritik der alten Arbeiterbewegung. Der Autor Cajo Brendel, geb. 1915 im Haag, Rätekommunist, schließt sich 1934 der holländischen Gruppe Internationaler Communisten(GIC) an. Er war der Mitherausgeber der holländischen Zeitschriften Spartacus (1952-1954) und Daad en Gedachte (1965-1998). In der Bundesrepublik wurde er bekannt durch seine Rede 1971 auf dem Kronstadtkongreß in Berlin anläßlich des 50. Jahrestages der Kommune von Kronstadt, sowie durch diverse Veröffentlichungen in deutscher Sprache, u.a. Lenin als Stratege der bürgerlichen Revolution (1973), Autonome Klassenkämpfe in England 1945-1972, (Berlin 1974), "Thesen über die chinesische Revolution" (Hamburg 1977) und Anmerkungen zur Neuformierung der revolutionären Linken, in: Die Aktion (1994) Aus dem Inhalt Pannekoeks Methode Pannekoek und die holländische Sozialdemokratie Der Parlamentarismus Die Bedeutung des selbständigen Handeln der Arbeiter Pannekoeks Kritik an der Gewerkschaftsbewegung Die Kritik der Dritten Internationale an Pannekoeks Auffassungen über Parlamentarismus und Gewerkschaften Pannekoeks Analyse der Russischen Revolution Der bürgerliche Materialismus in Lenins Theorie Schlußfolgerungen zur Organisationsfrage Kritik der Sozialisierung, des Staatssozialismus und der Arbeiterkontrolle Pannekoek und Rosa Luxemburg über Imperialismus Die Arbeiterräte Mit dem Band Anton Pannekoek, Paul Mattick u.a., Marxistischer Antileninismus, hat der ça ira - Verlag 1991 bereits eine (lieferbare) Sammlung rätekommunistischer Texte vorgelegt.
Es ist, als ob man vergebens aus nächster Nähe zu betrachten suchte, was in weitester Ferne liegt – und dennoch nur scheinbar ein Jenseitiges ist. Etwas unreglementiert erfahren: ist das überhaupt möglich? Die in diesem Band versammelten Beiträge widmen sich der Bestimmung eines Begriffs, der in der kritischen Theorie Adornos einen zentralen, wenngleich nie ausdrücklich benannten Platz einnimmt. In der zahlreich vorhandenen Literatur zu Adorno wird unreglementierte Erfahrung, wenn überhaupt, als ein nur subjektives Phänomen oder gar als ein dem wissenschaftlichen Objektivismus entgegengesetzter Ausdruck individuellen Leids aufgefaßt. Wie hier gezeigt werden soll, geht es allerdings bei der unreglementierten Erfahrung ums Ganze, um nichts weniger als die Möglichkeit von Emanzipation schlechthin. Inhalt: Devi Dumbadze, Christoph Hesse: Einleitung Gerhard Scheit: Erfahrung und jüngstes Gericht. Eine Anmerkung zum verborgenen Freiheitsbegriff der Kritischen Theorie Dirk Braunstein: Die Erfahrung der Gesellschaft. Grundsätzliches zur philosophischen Erkenntnis Simon Duckheim: Alles ganz anders. Adornos Utopie der Erkenntnis am Beispiel Prousts Devi Dumbadze: ”Religion, IST“. Ideologie und unreglementierte Erfahrung Isabelle Klasen: ”Erfahrung wider das Ich“. Überlegungen zu einem Schönen nach Adorno Irene Lehmann: Die möglichen Unendlichkeiten des Unverständlichen und die Formen der Kritik. Luigi Nono und das engagierte Kunstwerk Christoph Hesse: Virtuelle Erfahrung Fabian Kettner: Eine nutzlose Erfahrung. Der Tod als Instanz unreglementierter Erfahrung Die Autoren
Diethard Behrens Geschichtsphilosophie oder das Begreifen der Historizität 1999, 200 Seiten, ISBN: 978-3-924627-61-4 23,00 € Es geht um die Frage, ob die Marxsche Theorie als Entwurf einer Utopie verstanden werden muß – das heißt einer Utopie, die sich historisch als eine »Geschichtsphilosophie« präsentiere -, oder ob Marx von vorneherein als Kritiker jedweder Geschichtsphilosophie auftritt. Daran, ob Marx als Propagandist einer geschichtsphilosophischen Utopie verstanden wird oder als Urheber einer Kritik der politischen Ökonomie, in deren Horizont der Geschichte ein bestimmter Stellenwert zukommt, entscheidet sich, wie die bürgerliche Gesellschaft begriffen und kritisiert werden kann. Inhalt: Diethard Behrens: Geschichtsphilosophie oder das Begreifen der Historizität Kornelia Hafner: Diskussionen gegen den Zeitgeist: das »Marx-Kolloquium« Christoph Lieber/Axel Otto: Marx – ein Geschichtsphilosoph? Thesen zu einem fortdauernden Ärgernis in der Kritik der Politischen Ökonomie Thomas Seidl: Materialistische Geschichtstheorie. Ein Problemaufriß Helmut Reichelt: Zum Verhältnis von Psychologie und dialektischer Methode in der Marxschen Ökonomiekritik Michael Heinrich: Geschichtsphilosophie bei Marx Martin Blumentritt: Anmerkungen zum Problem Freiheit und Determinismus bei Marx Thomas Lutz Schweier: Geschichtliche Reflexionen über Marx’ Bemerkungen zu seinem Geschichtsverständnis Kornelia Hafner/Thomas Gehrig: Historisches über Kaufmannskapital. Über das notwendige Hereintreten des Historischen in die Darstellung der Kritik der politischen Ökonomie
Diethard Behrens Gesellschaft und Erkenntnis Zur materialistischen Erkenntnis- und Ökonomiekritik 1992, 280 Seiten, ISBN: 978-3-924627-34-8 3. unver. Nachdruck 2020 24,00 € Jenseits traditioneller oder positivistischer Marx-Deutungen hat der kritische Marxismus sich als methodisch reflektierte und erkenntnistheoretisch begründete Betrachtungsweise des Gesellschaftlichen entwickelt.
Diethard Behrens Materialistische Theorie und Praxis Zum Verhältnis von Kritischer Theorie und Kritik der politischen Ökonomie 2005, 312 Seiten, ISBN: 978-3-924627-62-1 Schriften der Marx-Gesellschaft Band 2 26,00 € Die Kritische Theorie beansprucht, materialistische Theorie und Szientismuskritik zugleich zu sein. Die Autoren der Marx-Gesellschaft untersuchen Systematisches und Fragmentarisches, nicht zuletzt, um die Differenz der Positionen von Horkheimer und Adorno zu beleuchten, die in der Auseinandersetzung um die Auffassungen Alfred Sohn-Rethels sichtbar wird. Mit der Frage nach dem Zusammenhang von Ökonomie und Gesellschaft ist aber zugleich die nach dem scheinbar paradoxen Verhältnis von Moral und Materialismus gestellt. Und für Adorno spitzt sich Erkenntniskritisches auf das Problem einer materialistischen Ästhetik zu. Um Adornos Verständnis der erkenntnistheoretischen Perspektive auf Gesellschaftliches in Abgrenzung zu dem Horkheimers aufzuhellen, wird seine Rezeption klassischer und neuzeitlicher Episteme aufgegriffen.
Christoph Hesse, Dirk Braunstein: Schiffbruch beim Spagat Wirres aus Geist und Gesellschaft 1 Dezember 2021, 176 Seiten, ISBN: 978-3-86259-178-7 Mit einem Nachwort von Eckhard Henscheid. Französisch Broschur 23,00 € Geschöpft wird hier allein aus dem Vorrat der Wissenschaften, die herkömmlich solche des Geistes oder der Gesellschaft und inzwischen lieber Kulturwissenschaften heißen. Zu Recht: denn die vor vierzig Jahren verkündete Austreibung des Geistes aus den Geisteswissenschaften ist vollbracht. Was aber nicht bedeutet, daß die von ihm Verlassenen endlich Ruhe gäben.
Dirk Braunstein: Adornos Kritik der politischen Ökonomie Januar 2025, 464 Seiten, ISBN: 978-3-86259-189-3 3., um einen Anhang erweiterte Auflage | Hardcover 29,00 €
Eugen PaschukanisAllgemeine Rechtslehre und MarxismusVersuch einer Kritik der juristischen Grundbegriffe2003, 200 Seiten, 17 €, ISBN 3-924627-79-7 Mit einem Vorwort von Alex Gruber und Tobias Ofenbauer sowie einer biographischen Notiz von Tanja Walloschke “Ähnlich wie der Reichtum der kapitalistischen Gesellschaft die Form einer ungeheuren Anhäufung von Waren annimmt, stellt sich die ganze Gesellschaft als eine unendliche Kette von Rechtsverhältnissen dar.” Diese Para-phrase des ersten Satzes des Marxschen Kapital macht bereits deutlich, wie sehr Paschukanis seine Staatskritik als Beitrag zur Kritik der politischen Ökonomie verstanden wissen wollte. Es geht ihm darum, die Kategorien und Begriffe bürgerlicher Staatstheorie als “objektive Gedankenformen” (Marx) der warenproduzierenden Ge-sellschaft aufzufassen, als real existierende Formen, die entsprechend der spezifischen Verfaßtheit der Gesell-schaft im Bewußtsein der Einzelnen erscheinen. Paschukanis enträtselt die hinter dem Rücken der tätigen Subjekte sich vollziehende Entstehung des Allgemeinwillens – die volonté generalé – der mehr und anderes ist als die Summe der Einzelwillen. Der Staat als Konkretisierung der abstrakten Allgemeinheit ist kein Ergebnis eines bewußt geschlossenen Gesellschaftsvertrages, sondern politischer Ausdruck des gesellschaftlichen Ver-hältnisses der Warenproduktion.” InhaltTobias Ofenbauer/Alex Gruber: Der Wert des Souveräns. Zur Staatskritik von Eugen PaschukanisPaschukanis: Allgemeine Rechtslehre und Marxismus Die Aufgaben der allgemeinen RechtslehreDie Methoden der Konstruktion des Konkreten in den abstrakten WissenschaftenIdeologie und RechtVerhältnis und NormWare und SubjektRecht und Staat Recht und SittlichkeitRecht und RechtsbruchTanja Walloschke: Paschukanis – eine biographische Notiz. Zu Paschukanis “Allgemeine Rechtslehre und Marxismus” siehe auch das Buch von Andreas Harms, Warenform und Rechtsform. Zur Rechtstheorie von Eugen Paschukanis.
Frank Böckelmann Die schlechte Aufhebung der autoritären Persönlichkeit 1987, 2. Auflage 2017, 108 Seiten, ISBN: 978-3-86259-142-8 2. Auflage 2017 17,00 €Böckelmann resümiert die Studien Adornos und Horkheimers über »Autorität und Familie«. Der Text – erstmals 1966 als Diskussionspapier der Subversiven Aktion veröffentlicht – erscheint hier mit einem neuen Vorwort des Autors »Zwanzig Jahre danach«. Die Gesellschaft und mit ihr die Familie verzichten auf das zu kostspielige Mittel der Triebunterdrückung. Was vor sich geht, wird frap- pant deutlich, wenn wir Herbert Marcuse zitieren, der noch 1938 schrieb: »Die unverklärte, unrationalisierte Freigabe der sexuellen Beziehungen wäre die stärkste Freigabe des Genusses als solchem und die totale Entwertung der Arbeit um der Arbeit willen. Die Spannung zwischen dem Selbstwert der Arbeit und der Freiheit des Genusses könnte innerhalb eines Menschenwesens nicht ertragen werden: die Trostlosigkeit und Ungerechtigkeit der Arbeitsverhältnisse würden eklatant das Bewußsein der Individuen durchdringen und ihre friedliche Einordnung in das gesellschaftliche System der bürgerlichen Welt unmöglich machen.« Inzwischen wurde Sexualität »freigegeben« und Arbeit »entwertet« – doch mit ganz anderen Konsequenzen, als Marcuse damals hoffte. Aber mit welchen anderen Konsequenzen eigentlich?
Frank Böckelmann Über Marx und Adorno Schwierigkeiten der spätmarxistischen Theorie 1998, 240 Seiten, ISBN: 978-3-924627-53-9 Zweite, korrigierte und erweiterte, vom Autor mit einem Vorwort versehene Ausgabe der Auflage Frankfurt 1971 | 1. unver. Nachdruck von 2020 24,00 €
Friedrich Pollock Marxistische Schriften Gesammelte Schriften Band 1 Juni 2018, 362 Seiten, ISBN: 978-3-86259-132-9 Herausgegeben von Philipp Lenhard | Hardcover | 2. durchgesehene Auflage 34,00 €Der erste Band der Gesammelten Schriften Friedrich Pollocks enthält Texte aus der Zeit der Weimarer Republik, die sich mit der Marxschen Kritik der politischen Ökonomie auseinandersetzen, insbesondere mit der Wertformanalyse und der Geldkritik.
Friedrich Pollock Schriften zu Nationalsozialismus und Antisemitismus Gesammelte Schriften Band 3 März 2026, 328 Seiten, ISBN: 978-3-86259-134-3 Herausgegeben von Philipp Lenhard | Hardcover 31,00 € Der dritte Band der Gesammelten Schriften Friedrich Pollocks enthält Texte zu Nationalsozialismus und Antisemitismus sowie Überlegungen zur europäischen Nachkriegsordnung.
Friedrich Pollock Schriften zu Planwirtschaft und Krise Gesammelte Schriften Band 2 Februar 2021, 640 Seiten, ISBN: 978-3-86259-133-6 Herausgegeben von Johannes Gleixner und Philipp Lenhard | Hardcover 36,00 € Im zweiten Band der Gesammelten Schriften Friedrich Pollocks steht seine Habilitationsschrift über die sowjetische Planwirtschaft im Zentrum.
Alle Ideologie beruht auf Verdrängung der Gewalt; noch dort, wo sie Gewalt fetischisiert, bildet der blinde Fleck des Souveräns den Ursprung. Denn ausgeblendet wird ja nicht Gewalt als solche, sondern dass durch sie die Einheit der Gesellschaft erst Bestand hat. An diesem blinden Fleck tritt im Politischen selbst zutage, wie Aufklärung sich weigert, ihre eigenen Bedingungen zu begreifen – darin ist sie zunächst nichts anderes als die frühe Gestalt des Engagements. In dieser ‚Dialektik des Leviathan‘, wie sie der erste Teil des Buchs im Anschluss an die Dialektik der Aufklärung zu umreißen versucht, erhält die Gegenüberstellung von Hobbes und Spinoza eine Schlüsselrolle. Die These lautet, dass ein kritischer Begriff des Staats ohne die Kritik der spinozistischen Auffassung von Substanz nicht zu haben sei, deren problematische Aspekte nicht zufällig in der französischen (und italienischen) Linken (Althusser, Deleuze, Negri…) wiederkehrten. Umgekehrt war es gerade die Problematik dieses Substanzbegriffs, die es Marx erst ermöglichte – zusammen mit der Hegelschen Dialektik und zugleich gegen sie gerichtet – die Kritik der politischen Ökonomie zu entfalten. Wenn die neueste Ideologie der Linken wie der Rechten, in Frankreich wie in Deutschland, vielfach das Heideggersche „Sein“ und den Carl Schmitt’schen „Begriff des Politischen“ an die Stelle von Substanz und Souveränität setzt (Agamben, Badiou, Mouffe…), ist es mit jener ‚Dialektik des Politischen‘ auf dem Boden der klassischen Metaphysik und Aufklärung nicht mehr getan. Dem heutigen Triumph Heideggers und Schmitts zu widersprechen, geht es im zweiten Teil des Buchs: Jean-Paul Sartres „Engagement gegen den Tod“ und Jean Amérys Appell, den Leib zu „substantiieren“ (wie das Manfred Dahlmann jüngst ausgedrückt hat), bedeuten einerseits Annäherung an die entscheidenden Fragen einer Philosophie nach Auschwitz – gerade auch, was die Frage des Souveräns betrifft. Andererseits verkehrte sich bei beiden regelmäßig die kritische Intention, sobald man den Gegenstand des Engagements mit der politischen Linken teilen und also Politik machen wollte. Dass sie vielmehr zu sabotieren sei, hat allerdings Améry – ohne sich dessen unbedingt bewusst zu sein – in seiner Parteinahme für Israel vorgeführt wie kaum ein anderer. Der von Adorno formulierte kategorische Imperativ, der zugleich das Politische als „Stand der Unfreiheit“ begreift, erweist sich als die einzige Möglichkeit, dieser Sabotage auf den Grund zu gehen. Hier spannt sich aber auch der Bogen zum ersten Teil des Buchs zurück: Aus der Kritik an Spinozas Substanzbegriff lässt sich keine Kritik an Heideggers Sein zum Tode entwickeln, so wie auch der Gegensatz zwischen der Vernunft als Selbsterhaltung, die in derDialektik der Aufklärung kritisiert wird, und der Vernichtung um der Vernichtung willen, die das Selbstopfer einschließt, dialektischer Vermittlung nicht mehr zugänglich ist, sondern zur Intervention nötigt. Davon legt jener Imperativ Zeugnis ab. Nur wer sich dabei jedoch die eigene Ohnmacht immer wieder eingesteht, die im notwendigen Engagement gegen den Antisemitismus so fatal wie nirgendwo hervortritt – spätestens dann, wenn der eben erst bezwungene Antisemit in neuer Gestalt wiederaufersteht –, wird auch die antisemitische bzw. antizionistische Gewalt nicht unterschätzen. (Diese Unterschätzung ist das Merkmal aller liberalen Anstrengungen, die Antisemiten zurückzudrängen.) Der dritte Teil schließlich versammelt – in Anlehnung an Adornos Engagement-Essay – Einzelstudien zur Kritik des politischen Engagements, wie sie sich an und in den Werken von Literatur und Essay, Musik und Film erschließt (Thomas Bernhard, Berthold Brecht, Hanns Eisler, Jean-Luc Godard, Elfriede Jelinek, Imre Kertész, Claude Lanzmann, Georg Lukács…). Aus dem Inhalt Teil 1: Die Substanz, das Gesetz und der Souverän Abschied vom Leviathan Das Gravitationsgesetz des Staats Ultimi barbarorum als Nachtwache des Souveräns Transzendenz der Todesdrohung, Immanenz der Seelenruhe Spinozas Ethik und Kants Moral Kabbala ohne Judentum Leib und Seele Wiederkehr des Verdrängten Rule of Law oder Prärogative Staat oder Gott Staatskritik oder Platonismus Leib und Kapital Das Kapital und die abstrakte Arbeit Hirn, Muskel, Nerv, Hand usw. Über die Wertform des Individuums Der neue Behemoth und die falschen Freunde Spinozas Antihumanismus Anti-Ödipus und Anti-Hobbes Anarchie und Antizionismus Teil 2: Das Sein zum Tode, der Praktische Imperativ und das Engagement Herr und Knecht Der Herr Der Knecht Phänomenologie des Unstaats Engagement für und gegen den Tod Der Seinsphilosoph vor der Résistance Le faux, c’est la mort Behemoth und die Aufhebung des kategorischen Imperativs Exkurs über den verborgenen Freiheitsbegriff der Kritischen Theorie Der praktische Imperativ im Zeitalter des Antizionismus Charaktermaske und automatisches Subjekt, Staatscharakter und sterblicher Gott Die Krise und der Wahn Engagement und Ohnmacht Vernichtung und Gegengewalt Folter und Freiheit Logik der Vernichtung Gegengewalt im absoluten Grauen Gegengewalt als Ideologie Der blinde Fleck der Kritischen Theorie und der Primat der Außenpolitik Die Juden und die verwaltete Welt Marginalien zu Theorie und Praxis der Gegengewalt Die Souveränität des Judenstaats gegen den neuen Behemoth Exkurs: Postmarxisten versus Verfassungsanarchisten Teil 3: Das Kunstwerk, die Form und die politische Untat Nach Kafka: Versuch über Imre Kertész Georg Lukács und der romantische Antikapitalismus Jean-Paul Sartre und die romantisierte Résistance „Pogrommusik“: Der Bruch in Adornos Mahler-Deutung Hanns Eisler und die letzten Tage der Menschheit Engagement als mimetisches Element bei Brecht Im Zeichen Ernst Jüngers: Engagement als ideologisches Element bei Alfred Andersch Totales Subjekt, kollektives Unbewusstes: Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek „...ihr habt den Tod gehasst“: Claude Lanzmann und die Kritik der politischen Gewalt Anstelle eines Nachworts: Nachgelieferte Prolegomena
Hans-Georg Backhaus Dialektik der Wertform Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik 2. Auflage Winter 2011, 4. unver. Nachdruck 2022, 536 Seiten, ISBN: 978-3-924627-52-2 35,00 € Seit der Studentenbewegung und ihren Versuchen einer avantgardistischen Marx-Lektüre gehören die Arbeiten von Hans-Georg Backhaus mit Abstand zum besten, was man hierzulande an Einschlägigem lesen darf.Seit der Studentenbewegung und ihren Versuchen einer avantgardistischen Marx-Lektüre gehören die Arbeiten von Hans-Georg Backhaus mit Abstand zum besten, was man hierzulande an Einschlägigem lesen darf. Dies betrifft insbesondere seine Interpretation der gemeinhin als schwierig bis okkult verschrieenen und zumeist überblätterten ersten einhundert Seiten des Kapital von Karl Marx – also der sogenannten »Wertformanalyse« –, von denen schon der alte Bebel behauptete, das sei etwas nur für Philosophen. Backhaus dagegen zeigt, daß die Philosophie in Marx, wird nur das Problem richtig gefaßt, alles andere ist denn esoterisch und vielmehr: Anstiftung zur Gesellschaftskritik, Gegengift gegen den common sense-Begriff der Kritik, wie er etwa im ›kritischen Rationalismus‹ Anwendung findet. Es geht um die Kritik einer Marx-Interpretation, »die noch bis vor kurzem zu den wenigen unumstrittenen Bestandteilen der marxistischen Literatur zählte und unangefochten die Rezeptionsweise der marxschen Werttheorie strukturierte: der von Friedrich Engels ausgelösten Fehlinterpretation der ersten drei Kapitel des Kapital als Wert- und Geldtheorie der von ihm so getauften ›einfachen‹ Warenproduktion. Es wird zu zeigen sein, daß von diesem fundamentalen Irrtum her die marxistische Werttheorie das Verständnis der Marxschen Werttheorie blockieren mußte. Sie hat im Grunde recht wenig verstehen können – weder die Erkenntnisintention und die Methode der Marxschen Werttheorie noch die spezifisch Marxsche Fassung solcher Grundbegriffe wie Wert und Arbeit.«
Jens BenickeVon Adorno zu MaoÜber die schlechte Aufhebung der antiautoritären BewegungFrühjahr 2010, 260 Seiten, 20€, ISBN: 978-3-924627-83-6Durch die antiautoritäre Studentenbewegung kommt die Kritische Theorie in Deutschland zum ersten Mal praktisch zur Geltung. An Adorno, Horkheimer und Marcuse orientierte studentische Theoretiker wie Hans-Jürgen Krahl, Frank Böckelmann u. a. gewinnen Mitte der sechziger Jahre im “Sozialistischen Deutschen Studentenbund” (SDS) kurzzeitig die Oberhand und drängen die traditionslinke Strömung zurück. Doch dieser erfreuliche Zustand ist nur von kurzer Dauer, denn schon auf dem Höhepunkt der Protestbewegung entstehen aus der antiautoritären Bewegung neo-leninistische Strömungen, die die Kritische Theorie als “kleinbürgerlich” zurückweisen. Damit einher geht auch die Abwehr und Verdrängung der nationalsozialistischen Vergangenheit. Dabei waren es doch gerade Mitglieder des SDS, die in den fünfziger und frühen sechziger Jahren immer wieder das Schweigen der postfaschistischen Gesellschaft gebrochen hatten. Die darauf folgende schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung und die Konstitution der mao-stalinistischen K-Gruppen bedeutet dann die endgültige Abkehr eines großen Teils der Protestbewegung von der Kritischen Theorie. InhaltEinleitungStudentenbewegung und Kritische Theorie Die Kritische TheorieDie Entstehung der Studentenbewegung und der Neuen Linken in der BundesrepublikDie Rezeption der Kritischen Theorie durch die Studentenbewegung bis 1968 Horkheimers “Autoritärer Staat” und die Faschismusdiskussionen im Institut für SozialforschungDie Bedeutung des Antisemitismus für die Kritische TheorieMarcuse und die Frage nach dem revolutionären SubjektHabermas Kritik an der Radikalität der BewegungAdorno und das Verhältnis von Theorie und PraxisDie Auseinandersetzungen in der Studentenbewegung über den Nationalsozialismus Diskussionen innerhalb der Studentenbewegung über eine Theorie des FaschismusDie “Überwindung des Antisemitismus”Die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen und die Reaktionen der StudentenbewegungGibt es eine Kontinuität des Nationalsozialismus in der BRD?Sind die Notstandsgesetze “NS-Gesetze”?Rudi Dutschke und die deutsche NationIsrael und die deutsche Linke bis 1967Die antizionistische Wende der deutschen Linken nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967Die Veränderung der Rezeption der Kritischen Theorie während des Höhepunkts und des Zerfalls der Studentenbewegung 1968 – Auf dem Höhepunkt der BewegungFaszination KulturrevolutionDie Gründung der ersten ParteienDer Zerfall der Studentenbewegung und das “ Gründungsfieber”Die Septemberstreiks 1969 und die “proletarische Wende” der ProtestbewegungDie Rolle der IntelligenzDie Abwendung von der Randgruppentheorie“Die Reste bürgerlicher Ideologie entschieden bekämpfen”Die Spaltung der Heidelberger Linken und die Abrechnung mit der StudentenbewegungDie Auseinandersetzungen über den Nationalsozialismus in der Übergangsphase zu den K-Gruppen Die weiteren Diskussionen über eine Theorie des FaschismusDie fortgesetzte Beschäftigung mit den Kontinuitäten des Nationalsozialismus in der BRDDiskussionen über eine drohende Faschisierung der GesellschaftDer Nahostkonflikt und die deutsche VergangenheitDie Rezeption der Kritischen Theorie in den K-Gruppen Die K-GruppenDie Entwicklung der K-Gruppen War die Rote Armee Fraktion eine bewaffnete K-Gruppe?Zwischen Anarchismus und Werkzeug der BourgeoisieDie Intellektuellenfeindschaft der K-GruppenDie Auseinandersetzung des KBW mit der Kritischen TheorieDie Kritische Theorie als bürgerliche SozialwissenschaftDas Verhältnis der K-Gruppen zum Nationalsozialismus Die Faschismus-Analyse der K-GruppenDie Abwehr der deutschen Geschichte und der Nationalismus der K-GruppenAuseinandersetzungen über die SozialfaschismustheseDie Bewertung der bundesrepublikanischen Gesellschaft durch die K-GruppenDer Antizionismus der K-GruppenDer Niedergang der K-Gruppen “Die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung” Literatur
Joachim Bruhn, Jan Gerber (Hg.) Rote Armee Fiktion 2007, 152 Seiten, ISBN: 978-3-924627-98-3 22,00 € Die RAF war niemals eine, wenn auch hoffnungslos verspätete, Fraktion jener Roten Armee, die die letzten Überlebenden von Auschwitz befreite. Inhalt Vorwort der Herausgeber Vom Protest zum Pogrom Joachim Bruhn “Charaktermasken abschminken”Abstrakte Herrschaft, bewaffneter Kampf, konkrete Leichen Initiative Sozialistisches ForumRote Armee Fiktion Felix Klopotek Der Gegen-StaatZur politischen Romantik der RAF Uli Krug Gefühltes GasDer Mythos von der Vernichtungshaft Jan Gerber “Schalom und Napalm”Die Stadtguerilla als Avantgarde des Antizionismus Joachim Bruhn Winterpalais, Führerbunker, MeinungsbörseDer Herbst 1977 und die Eindeutschung der Linken Gerhard Scheit Furie des ZerstörensFünf Anmerkungen zur Kritik des Terrorismus-Begriffs Nachweise Die Autoren
Joachim Bruhn Was deutsch ist Zur kritischen Theorie der Nation März 2019, 300 Seiten, ISBN: 978-3-86259-141-1 Zweite, erweiterte und überarbeite Auflage von 1994 25,00 €
Manfred Dahlmann Das Rätsel der Macht Michel Foucaults Machtbegriff und die Krise der Revolutionstheorie Januar 2018, 342 Seiten, 23 Euro, ISBN: 978-3-86259-139-8 Die vorliegende Arbeit, die als Diplom-Arbeit verfasst und im September 1980 bei Johannes Agnoli eingereicht wurde, war das Resultat einer Auseinandersetzung mit Michel Foucault, der man sich in Berlin Ende der 1970er Jahren nur schwer entziehen konnte. „Jeder Aussage, gleichgültig, ob sie als Affirmation, als Kritik oder als Negation gemeint ist, liegt ein positiver Gehalt zugrunde. Die Reflexion auf diesen, meist unbewußten Gehalt gibt anderen erst die Möglichkeit, aber auch sich selbst, abgegebene Urteile auf ihren Wirklichkeitsgehalt hin zu überprüfen. Letzteres will nichts anderes besagen, als daß ein konsequent durchgeführter Skeptizismus sich über die eigene Positivität ebenso hinwegtäuscht, wie jede Form von Partikularismus (Empirismus, wissenschaftlicher Rationalismus und auch der Positivismus à la Foucault) darüber stolpert – und hiermit benenne ich das versteckte Problem in Foucaults Machtbegriff auf allgemeinster Ebene – daß auch noch so vereinzelte Aussagen immer auf eine, in letzter Instanz positiv beschreibbare Totalität verweisen. Die weitgehende Mißachtung dieses Aspektes einer jeden Reflexion auch im Marxismus ist der Punkt, den ich für die Entstehung der Krisen des Marxismus (mit-)verantwortlich mache.“ Inhalt: Statt eines Vorwortes: David Hellbrück im Gespräch mit dem Autor Einleitung Kapitel 1. Die Existenz der Macht: Foucaults Nominalismus Kapitel 2. Inhaltsbestimmungen der Macht: Die Kategorien der Machtanalyse Orte der Macht: Diskurs, Dispositiv, Vergegenständlichung, Natur Das Außen der Macht: die Körper Strategien der Individualisierung: Disziplin und Seele Ontologie der Macht: Geschichte und Struktur Kapitel 3. Positivität als Wirkungsweise der Macht: Das strategische Modell Erkenntnis und Politik: Überlegungen zur Gesellschaftlichkeit von Formanalysen Genealogie: Logik im Chaos von Ereignissen und Entstehungen Regelhaftigkeit und Kontinuität als Konstruktionen des historischen Diskurses Ein eher polemischer Exkurs: die Operationalisierbarkeit der Macht Genealogie und Materialismus Die Anti-Repressionshypothese Kapitel 4. Mikrophysik der Macht: Foucaults Realanalyse der bürgerlichen Gesellschaft Genealogie der bürgerlichen Gesellschaft: Universalisierung der Disziplinarmächte und Individualisierung Gesellschaftliche Reproduktion und Macht: Staat, Recht und Ökonomie Die Revolutionierung der gesellschaftlichen Reproduktion als Transformation von Machttechniken Die Strategie der Macht Der Diskurs: Träger jeder Macht Der Wille zum Wissen: Die Entstehung der Wissenschaften vorn Individuum Politik, Ökonomie und Geschichte der Wahrheit Kapitel 5. Das versteckte Problem und seine Folgen Wahrheit und Ideologie Widerstand und Macht Identität und Totalität Die Intelligibilität der Macht: Das Denken des Außen Anhang Initiative Sozialistisches Forum: Gegen die Heideggerisierung der Linken. Die Ideologie vom Diskurs. Über die Nutzlosigkeit Foucaults für die antinationale Linke Jörg Finkenberger: Das Zeitalter des Poststrukturalismus Manfred Dahlmann: Kritische Theorie am Ende? Über die Antinomien totaler Vergesellschaftung bei Stefan Breuer und Wolfgang Pohrt Literatur Manfred Dahlmann ist Mitherausgeber der Zeitschrift sans phrase. 2013 ist von ihm Freiheit und Souveränitäterschienen und darüber hinaus hat er bei ça ira die Bücher Geduld und Ironie. Johannes Agnoli zum 70. Geburtstagsowie Kritik der Politik. Johannes Agnoli zum 75. Geburtstag mitherausgegeben. Weitere Artikel finden Sie hier:Beiträge.